Aus Siebenbürgen erreichte mich kürzlich eine Nachricht von Andi und Horia, die auf die zurückliegenden Aktivitäten der Asociația Prietenii Mocăniței in dem zu Ende gehenden Jahr blicken. Gerne veröffentliche ich ihre Geschichte hier, die auch das weniger Offensichtliche erwähnt, was erforderlich ist, um eine Eisenbahn am Laufen zu halten. Was ihre Erzählung aber auch zeigt – die Bahn ist wieder zu einer wichtigen Lebensader für die Region geworden. Noch bis Anfang November fährt die Wusch planmäßig.
Die Schmalspurbahn im Harbachtal – oder die „Wusch“, wie sie früher von der deutschsprachigen Gemeinschaft genannt wurde – ist auch in diesem Jahr von tausenden Touristen besucht worden. Um die Bahn am Laufen zu halten ist viel Arbeit erforderlich, die nicht immer sofort sichtbar ist:
Das rund 40 Tonnen Gewicht eines Zuges beschädigt mit der Zeit die hölzernen Schwellen der mehr als hundert Jahre alten Eisenbahnstrecke, so dass diese regelmäßig ersetzt werden müssen. Das ist keine einfache Arbeit: Mit der Hand müssen die Schottersteine ausgehoben, die alten Schwellen herausgezogen, die neuen eingesetzt und schließlich wieder alles verfüllt werden. So ging das Jahr 2025 zu Ende – und 2026 begann.
Man sagt über das Harbachtal, es sei die letzte echte Wildnis Europas. Und genau das ist eigentlich das Schöne an der Wusch: die Natur, die Aussicht, die wilden Tiere und die Ruhe dieser Gegend – alles das aus einem langsamen Verkehrsmittel heraus zu genießen.
Aber auch Probleme gehören zum Leben der Wusch. Kurz vor Beginn der Fahrsaison wurde ein Diebstahlversuch verübt: Ein paar Schienen waren von ihrem Platz bis zur Straße gezogen worden. Glücklicherweise entdeckte die Polizei alles rechtzeitig, so dass die Schienen nicht verschwunden sind.
Am 1. und 2. Mai, rund um den Tag der Arbeit, setzten wir zum ersten Mal in diesem Jahr eine Dampflokomotive ein. Die Lokomotive mit der Nummer 764 243 war früher schon auf unserer Strecke unterwegs und blieb nach diesem Wochenende zunächst nicht einsatzfähig, sozusagen als Sehenswürdigkeit, hier.
Wie jedes Jahr haben wir uns auch beim Internationalen Marathon von Sibiu angemeldet, an dem sich mehr als 100 Läufer für unser Projekt eingesetzt haben. Mit der gesammelten Summe versuchen wir, den Bahnsteig des Bahnhofs von Cornățel (Harbachsdorf) neu zu bauen.
Der 1. Juni brachte Kinderspiele, Fröhlichkeit und Musik mit sich. Kleine und große Kinder besuchen uns an diesem Tag immer gerne. Gemeinsam mit CreativAct haben wir Kreativitätswerkshops veranstaltet. Eine unerwartete Überraschung gab es, als uns eine dritte Klasse aus Cluj-Napoca mehrere Zeichnungen und handgebastelte Züge schenkte.
Zum ersten Mal gab es dieses Jahr bei uns im Bahnhof auch ein Folk-Fest: 2Plus1Ulius, ANA, Harmoniac, 2 pe Corzi und Musznay Iosif haben den Bahnhof von Cornățel mit Musik zum Beben gebracht und uns ein tolles Fest beschert.
Ende Juni haben wir – im zweiten Jahr in Folge – begonnen, auch den Sonnenuntergang zu genießen. Zwei Monate lang gab es jeden Freitagabend eine Fahrt mit Weinverkostung und Musik von Steliana Maria.
Den Sommer kann man nicht ausklingen lassen, ohne die Perseiden zu jagen. Wie jedes Jahr sind wir in den Nächten des 12. und 13. August in den Zug gestiegen und irgendwo auf einer dunklen Wiese ausgestiegen, um dieses schöne Schauspiel zu sehen. Zusammen mit den Erklärungen der Astronomin Magda Ienci haben wir auch die Geschichte hinter diesem Phänomen erfahren.
Wie immer freuen wir uns über die enge Zusammenarbeit mit den Gemeinden entlang der Strecke. Gemeinsame Fahrten gab es mit den Organisatoren des Holzstock-Fests und der Summer Party von Hosman (Holzmengen).
Anfang September organisieren wir jedes Jahr die „Zilele Mocăniței“, die Tage der Schmalspurbahn – in diesem Jahr am 5. und 6. September, diesmal aber in einem neuen Format: mit Malkurs, einem Theaterstück, einem Restaurierungs-Workshop (einer der vier geretteten alten Waggons) und vielem mehr.
Zum Schluss kommen wir noch auf zwei unerwartete Überraschungen zu sprechen: die Außenrestaurierung des Bahnhofs und den Wiederaufbau des Güterschuppen von Cornățel. Dank der Spendengelder vom Internationalen Marathon von Sibiu 2025 und der Hilfe von Ambulanța pentru Monumente – ein toller Verein, der alte Gebäude rettet – waren diese beiden Projekte möglich.
Bald geht auch diese Saison zu Ende. Nächstes Jahr kommen wir aber mit weiteren Überraschungen zurück.



