Kaum zu glauben, aber inzwischen fast 25 Jahre her sind die Ereignisse vom September 2001: Während sich „nine eleven“ mit dem Einsturz der Zwillingstürme in New York am 11. September 2001 ins kollektive Gedächtnis der Welt eingebrannt hat, war das Harbachtal in Siebenbürgen bereits wenige Tage zuvor plötzlich neuen Realitäten ausgesetzt: Die Schmalspurbahn „Wusch“ verkehrte vor 25 Jahren zum letzten Mal zwischen Sibiu (Hermannstadt) und Agnita (Agnetheln).
Zuletzt fuhr einmal täglich eine Diesellok mit Personenwagen morgens talaufwärts und am Nachmittag zurück in die große Stadt. Doch das war 2001 vorbei, als die rumänische Staatsbahn CFR plötzlich den Betrieb auf ihrer letzten Schmalspurstrecke einstellte. Von heute auf morgen verloren die Menschen aus Orten wie Benești (Bägendorf) auf dem Foto von Thomas Kabisch ihren Anschluss an die „große, weite Welt“.
„Zilele Mocăniței“ erinnern an die Stilllegung vor 25 Jahren
Die Asociația Prietenii Mocăniței setzt sich seit Jahren für die Reaktivierung der Bahn ein und erinnert nun an die Stillegung vor 25 Jahren. So finden die traditionellen „Tage der Schmalspurbahn“ („Zilele Mocăniței“) des Vereins diesmal am 5. und 6. September anlässlich des traurigen Jubiläums statt. Im Mittelpunkt steht dabei jedoch nicht der Blick zurück, sondern der aktuelle Nutzen der Schmalspurbahn für die Region.
Seit nunmehr 14 Jahren fährt die Wusch wieder ausgehend von Cornățel (Harbachsdorf) durch die malerische Siebenbürger Hügellandschaft. Was 2015 auf einem kurzen Stück von Cornățel talaufwärts begann, hat sich mittlerweile zu einem regelmäßigen Betrieb bis nach Hosman (Holzmengen) entwickelt. Auch wenn die Bahn heute kein Alltagsverkehrsmittel mehr ist, bereichert sie als touristische Attraktion die Region und zieht Besucher aus Nah und Fern an.
Viele Attraktionen, wie Aktivitäten für Kinder oder eine Weinverköstigung, begleiten die diesjährigen „Zilele Mocăniței“. Somit bietet das Fest auch abseits der Schiene jede Menge für Jung und Alt. Nur auf den Dampfbetrieb müssen die Besucher diesmal verzichten, nachdem dem Verein aktuell keine einsatzfähige Maschine zur Verfügung steht.
Reaktivierung erfolgt Schritt für Schritt im Rahmen des Möglichen
Die Aufarbeitung der vereinseigenen Dampflok 764 158 ist durch bürokratische Hindernisse ins Stocken geraten. Eigentlich sollte die Lok zur Instandsetzung nach Großbritannien gebracht werden, doch ihre „Ausreise“ aus Rumänien ist derzeit aufgrund formaler Probleme nicht möglich. Auch die Reaktivierung der Strecke talabwärts in Richtung Cașolț (Kastenholz) kommt nur langsam voran. Hier liegen nicht nur sprichwörtlich Steine im Weg, weshalb die Bahn bisher nicht dorthin fahren kann.
Dafür strahlt das Bahnhofsgebäude von Cornățel, gewissermaßen die „Visitenkarte“ der Asociația Prietenii Mocăniței, seit kurzem in neuem altem Glanz. Nach den bereits durchgeführten Dacharbeiten erfolgte nun die Wiederherstellung der ursprünglichen Fassade nach ungarischem Vorbild aus der Zeit des Bahnbaus. Geld hierfür hatte der Verein u.a. beim Sibiu-Marathon unter dem Motto „Revenirea la origini“ (Rückkehr zu den Ursprüngen) eingesammelt.
Am 5. und 6. September 2026 wird der Bahnhof Cornățel während der „Zilele Mocăniței“ einmal mehr der Mittelpunkt des Harbachtals sein. Dreimal wird an beiden Tagen nach Hosman und zurück gefahren: Abfahrt in Cornățel ist jeweils um 11, 14 und 18 Uhr. Fahrkarten sind ab sofort im Vorverkauf über sibiuagnitarailway.com erhältlich.

