Die ersten Loks der Wusch

MÁV/CFR 388 (Achsfolge Cn2+T)

Die ungarische Lokalbahngesellschaft „Segesvár – Szentágotai vasút“ bestellte vor Eröffnung der Schmalspurbahn von Sighișoara (Schäßburg, ung. Segesvár) nach Agnita (Agnetheln, ung. Szentágota) drei Dampflokomotiven bei der Wiener Neustädter Lokomotivfabrik Sigl. Unter den Fabriknummern 3896 bis 3898 gebaut, trafen die Maschinen bereits 1896 in Schäßburg an und halfen noch beim Bau ihrer künftigen Einsatzstrecke.

Die Lokomotiven verfügten über drei gekuppelte Achsen, welche in einem Außenrahmen gelagert waren, sowie über einen zweiachsigen Schlepptender. Der offene Führerstand sowie die nach vorne verlängerte Rauchkammer gaben den Maschinen ein markantes Aussehen. Anfangs waren die Lokomotiven zudem mit Triebwerksverkleidungen ausgestattet. Dies war dem abschnittsweisen Verlauf der Schmalspurbahn im Straßenraum geschuldet und sollte das Scheuen von Tieren aufgrund der (damals) modernen Dampftraktion verhindern.

Von der Lokalbahngesellschaft erhielten die Loks die Nummern 1 bis 3, wobei die Lok 1 zusätzlich den Namen “Apor” (nach jenem ungarischen Staatssekretär, der den Bahnbau maßgeblich unterstützte) trug. Die Loks 2 und 3 wurden auf die ungarischen Ortsnamen “Szentágota” bzw. “Segesvár” getauft, wobei unterschiedliche Angaben zur Zuordnung von Loknummern und Ortsnamen existieren (*). Der Schäßburger Volksmund nannte die drei Loks jedenfalls auch spöttisch “Galilei”, “Luther” und “Schiller” – eine Erklärung der Spitznamen findet sich bei den Sächsische Anekdoten. Nachdem die ungarischen Staatsbahnen MÁV die Betriebsführung der Wusch übernahmen, bekamen die Loks die Nummern 388 001 bis 003. Die rumänische CFR blieb diesem Schema treu.

(*) = Lacriţeanu in Chester 1995 (S. 87) und Engelbert 2011 (S. 132) ordnen die Nummern und Namen wie folgt zu: 2 -> “Szentágota” und 3 -> “Segesvár”. Mausolf 2018 (S. 98) und Königsmann 2019 (S. 37) gehen hingegen von folgender Zuordnung aus: 2 -> “Segesvár” und 3 -> “Szentágota”. Vollständige bibliographische Angaben unter Media.

Während die Loks 1 und 3 nach dem Dienst bei den k.u.k. Heeresfeldbahnen während des Ersten Weltkriegs im späteren Jugoslawien verbleiben, verbrachte Lok 2 (388 002) die meiste Einsatzzeit auf ihrer Stammstrecke. Nach der Ausmusterung wurde sie 1974 zunächst als Denkmal in Sighișoara aufgestellt.

Zwanzig Jahre – von 1974 bis 1994 – verbrachte 388 002 als Denkmal in Sighișoara (Foto von 1982)

  • 388 001 erhielt bei der jugoslawischen JDŽ die Nummer 182 001. Ihr finaler Verbleib ist ungeklärt, von der Verschrottung ist jedoch auszugehen.
  • 388 002 wurde im Zuge der Schaffung des Dampflokmuseums Sibiu (Hermannstadt) Mitte der 1990er Jahre von ihrem langjährigen Standplatz in Sighișoara geholt und an der Drehscheibe des Regelspurbahnbetriebswerkes in Sibiu aufgestellt. Trotz ihres historisches Wertes und der besonderen regionalen Bedeutung dieser Maschine ist sie inzwischen zunehmend dem Verfall preisgegeben.
  • 388 003 erhielt bei der jugoslawischen JDŽ die Nummer 182 002. Ihre letzten Einsätze erfolgten auf der 1968 stillgelegten Schmalspurbahn Zrenjanin – Radojevo in der serbischen Vojvodina, bevor die Lok verschrottet wurde.

Anlässlich ihres “Umzugs” ins Dampflokmuseum nach Sibiu erhielt 388 002 damals eine äußerliche “Frischzellenkur”. (Foto von 1994)

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